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Leitlinien für die Zukunft
Stadtentwicklung Freisings
Freising muss sich mit großen Herausforderungen auseinandersetzen: Zum einen mit dem im Großraum München anhaltenden Siedlungsdruck mit allen Konsequenzen für die Stadtentwicklung. Zum anderen mit dem demografischen Wandel innerhalb der Gesellschaft, der ebenso entscheidende Auswirkungen auf die künftige Stadtplanung hat. Diese beiden Entwicklungen beeinflussen auf Jahrzehnte hinaus den Rahmen der Freisinger Stadtpolitik. Das oberste Ziel unserer Politik, der Erhalt und Ausbau der Freisinger Lebensqualität, wird dadurch ganz wesentlich berührt.
Deshalb ist es unverzichtbar, die Stadtpolitik auf diese grundsätzlichen und langfristigen Herausforderungen auszurichten.

Keine 3. Start- und Landebahn

Ein Ausbau des Flughafens im Erdinger Moos hat in mehrerer Hinsicht fatale Folgen für Freising. Erstens wären weite Teile des Stadtgebiets konkret von weiterer Verlärmung und Verschmutzung betroffen, ein Teil des Ortes Attaching müsste abgesiedelt werden.
Zweitens wäre die Stadt in ihrer weiteren Entwicklung, die vor dem Hintergrund des großen Siedlungsdrucks im Großraum München unumgänglich ist, arg beschnitten: Eine ausgewogene und einigermaßen gleichmäßige Stadtentwicklung nach allen Richtungen wäre nicht mehr möglich, vor allem der Süden bzw. Südosten der
Stadt nicht mehr oder nur noch unter Belastungen bewohnbar.
Das ist das eigentliche Dilemma der Erweiterung des Flughafens für Freising: Einerseits muss man wachsen, weil man sich dem Siedlungsdruck im Großraum München nicht entziehen kann und durch (kontrolliertes) Wachstum die hohen Grundstücks- und Mietpreise zumindest konstant gehalten werden können, andererseits
verliert man mit dem Flughafenausbau teilweise oder ganz die gerade hierfür notwendigen Entwicklungsflächen.

Maßvolles und kontrolliertes Wachstum:
Mehr Wohnraum, aber nur mit einer ausgewogenen Infrastruktur

Eine der wesentlichen Rahmenbedingungen für die Freisinger Stadtpolitik in den nächsten Jahren und Jahrzehnten wird der in der Münchner Region anhaltende Siedlungsdruck sein. Viele Menschen möchten in Freising wohnen, weil sie im Großraum München arbeiten und hier attraktive Lebensbedingungen finden (Bildungs- und Erziehungseinrichtungen, kulturelles Angebot, attraktives Umland, etc.). Diese stete Nachfrage nach Wohnraum hat zu vergleichsweise hohen Grundstücks- und Mietpreisen geführt; sie werden auch weiterhin steigen. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, ist es notwendig, innerhalb der Stadtgrenzen ein weiteres Wachstum zuzulassen (als eine Art „Ventil“).
Die weitere Entwicklung Freisings muss sich jedoch maßvoll vollziehen. Mehr Wohnraum bedeutet mehr Menschen, die auch eine entsprechende Infrastruktur benötigen: Verkehrsinfrastruktur, Bildungs- und Erziehungseinrichtungen, Nahversorgung, Freizeiteinrichtungen, etc. Deshalb stehe ich für eine langfristig angelegte und sehr gut durchdachte Entwicklung Freisings, eine Entwicklung, die die Menschen nicht isoliert, sondern in die Stadt integriert.
Konkret gibt es drei verschiedene Möglichkeiten, mehr Wohnraum
zu schaffen:

  • durch eine sinnvolle Baulandausweisung auf verfügbaren Flächen innerhalb der Stadtgrenzen
  • durch eine maßvolle Ortsabrundung in unseren umliegenden Ortsteilen
  • durch Nachverdichtung in bestehenden Wohngebieten.

Meiner Auffassung nach sollte man allen Möglichkeiten nachgehen, der Nachverdichtung jedoch tendenziell den Vorzug vor der Neuausweisung geben. Das vor allem, um nicht noch mehr Flächenverluste durch Zersiedelung hinnehmen zu müssen, aber auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels.

Ausgewogene Stadtentwicklung: Lebendiges Miteinander der Generationen

Ich stehe für eine Entwicklung Freisings, die zunehmend auf einen gesunden Mix der Generationen achtet. Das Miteinander-Leben der einzelnen Generationen wird vor dem Hintergrund des demografischen Wandels immer wichtiger.
Ich denke beispielsweise bei der Planung künftiger Neubauquartiere an Modelle, die sich schon andernorts bewährt haben: junge Familien, Senioren, Studenten wohnen zusammen in einzelnen Häusern, die entsprechend der jeweiligen Bedürfnisse konzipiert sind („Mehrgenerationenhaus“ oder dann auch „Mehrgenerationensiedlung“).
In Bezug auf die ganze Stadt sollte vermehrt auf eine heterogene Siedlungs- bzw. Wohnstruktur geachtet werden. Zum Beispiel heißt das, etwaige neue Studentenwohnheime nicht nur in Vötting anzusiedeln, wo diesbezüglich ohnehin schon eine sehr hohe Konzentration (und dadurch auch immer weniger eine Integration der Studierenden in die Stadt) gegeben ist, sondern auch in anderen Stadtteilen. Gleiches gilt für die sozialen Brennpunkte der Stadt, auch hier muss eine Entzerrung angestrebt werden.

Ganzheitliche und weitblickende Planungen:
Neuer Flächennutzungsplan, Stadtentwicklungsplan, Landschaftsplan, Energieplan

Als besonders wichtig erachte ich es, langfristige „Entwicklungs-Fahrpläne“ zu erstellen, um abzustimmen und zu wissen, wohin die Reise über eine oder zwei Wahlperioden hinausgeht. Derartige Grundlagenplanungen müssen neben ihren thematischen Aussagen immer auch eine Priorisierung sowie einen groben Zeitplan enthalten.
Als Erstes wäre hier der bestehende Flächennutzungsplan zu nennen, der in den nächsten Jahren einer Fortschreibung bedarf. Des Weiteren benötigt Freising einen Stadtentwicklungsplan; im Gegensatz zum Flächennutzungsplan, der ausschließlich städtebauliche bzw. bau- und planungsrechtliche Aspekte berücksichtigt, werden hierin beispielsweise auch soziale und kulturelle Aspekte beachtet. Im Moment unternimmt die Stadt erste Schritte, einen Stadtentwicklungsplan – unter ausdrücklicher Beteiligung der Freisinger Bürgerinnen und Bürger – auf den Weg zu bringen; ich unterstütze dieses Projekt mit Nachdruck. Aufgrund der großen landschaftlichen Werte Freisings möchte ich dem Beispiel anderer Städte folgen und mittelfristig einen Landschaftsplan aufstellen. So können grobe Leitlinien im Umgang mit den Natur-, Landschafts- und Lebensressourcen (z.B. Trinkwasserreservoir) Freisings festgeschrieben werden.
Auch im Hinblick auf die über alle politischen Grenzen hinweg angestrebte Energiewende ist meiner Meinung nach ein auf das Freisinger Stadtgebiet bezogener ganzheitlicher Plan, ein sogenannter Energieplan, notwendig.

Möglichkeiten kommunaler Energiepolitik ausschöpfen

Gerade im Hinblick auf das – auch von der Stadt Freising gesteckte – Ziel der Energiewende müssen wir in Freising unsere diesbezüglichen Kompetenzen ebenso konsequent wie kreativ ausschöpfen.
Grundsätzlich benötigen wir – wie oben bereits angeführt – einen Energieplan, einen „Fahrplan“ also, der die Energiewende im öffentlichen wie auch privaten Bereich zum langfristigen Ziel hat. Statt innerhalb der kommunalen Energiepolitik blinden Aktionismus zu betreiben, erhalten wir durch einen Freisinger Energieplan eine konkrete thematische wie auch zeitliche Abstimmung von Einzelmaßnahmen. Nur so kann das Ziel der kommunalen Energiewende erreicht werden.
Weiter gehört zu diesem Thema das energetische Planen und Sanieren. Direkten Einfluss hat die Freisinger Stadtpolitik auf die stadteigenen Liegenschaften. Hier muss der schon eingeschlagene Weg fortgeführt werden. Innerhalb von Neubauquartieren muss der Bebauungsplan so ausgelegt sein, dass sämtliche Möglichkeiten der Energieeffizienz sowie der erneuerbaren Energieversorgung möglich sind, dies sowohl für den einzelnen Bauherrn bzw. Nutzer als auch für eine größere Quartiersgemeinschaft.
Die sehr kompetente Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Energie der lokalen Agenda21-Gruppe wird weiterhin bestehen. Auf die dort vorhandenen Kompetenzen möchte ich als Oberbürgermeister für die Stadt noch stärker zurückgreifen.